CHP & Kraft-Wärme-Kopplung: Fernüberwachung und marktgetriebener Dispatch in Switzerland

Ein BHKW (in der Schweiz meist WKK, Wärme-Kraft-Kopplung) lässt sich vollständig aus der Ferne überwachen und nach dem Strommarkt steuern. Unten liest du zuerst konkret, wie die Fernüberwachung technisch funktioniert und wie der Dispatch nach dem Spotpreis läuft.
Moderne BHKW kommunizieren über Modbus/TCP oder eine HTTP-API mit einem zentralen Monitoring-System. Die Betriebsparameter — Leistung, Motortemperatur, Abgas, Laufzeiten, Störmeldungen — werden minütlich in eine Datenbank geschrieben. Dadurch erkennst du Fehler früh und planst Wartung, ohne vor Ort zu sein. Du brauchst dafür nur einen Datenzugang zur Steuerung (z. B. Modbus-Register oder Controller-API) und ein Portal, das die Werte speichert und alarmiert.

Marktgetriebener Dispatch heisst: Das BHKW läuft dann, wenn Strom teuer ist, und pausiert, wenn er billig ist. Als Referenz dient der Day-Ahead-Preis der Schweizer Gebotszone (EPEX SPOT). Ein Pufferspeicher entkoppelt Wärmebedarf und Laufzeit, sodass du die Stunden mit hohem Strompreis abfahren kannst, ohne dass die Wärmeversorgung leidet. Praktisch: Die Steuerung vergleicht den stündlichen Spotpreis mit deinen Grenzkosten (Gas + Wartung) und schaltet nur, wenn der Deckungsbeitrag positiv ist.

Für den Dispatch brauchst du drei Datenströme: (1) den Day-Ahead-Spotpreis der Schweizer Zone als Fahrplan-Grundlage, (2) die Live-Telemetrie deines BHKW (Ist-Leistung, Speicherfüllstand, Wärmebedarf), (3) die Vorgaben deines lokalen Verteilnetzbetreibers (VNB) für Einspeisung und ggf. cosφ. Übertragungsnetzbetreiber ist Swissgrid; die Abrechnung und der Netzanschluss laufen aber über deinen regionalen VNB.

Ohne Pufferspeicher ist marktgetriebener Betrieb kaum möglich, weil das BHKW dann rein wärmegeführt laufen muss. Mit einem ausreichend grossen Speicher kannst du Wärme in günstigen Stunden vorproduzieren und den Motor in teuren Preisstunden gezielt einsetzen. Faustregel: Je grösser der Speicher relativ zur thermischen Leistung, desto mehr Freiheit hast du beim Dispatch. Das Monitoring liefert dir den Füllstand in Echtzeit, damit die Steuerung nie in eine Wärme-Unterdeckung fährt.

Achtung bei der Terminologie: In der Schweiz spricht man von WKK statt KWK, und das deutsche EEG gilt hier nicht. Erneuerbare WKK (z. B. Biogas) konnte historisch über das Einspeisevergütungssystem (früher KEV) gefördert werden — prüfe den aktuellen Stand bei Pronovo/BFE, da sich die Programme ändern. Fossil-gasbetriebene Anlagen fallen unter das CO2-Gesetz. Konkrete Fördersätze und Fristen solltest du immer beim BFE, bei Pronovo und deinem VNB verifizieren, nicht pauschal annehmen.
Weil die Werte minütlich protokolliert werden, siehst du schleichende Veränderungen — steigende Abgastemperatur, sinkender Wirkungsgrad, häufigere Starts — bevor sie zum Ausfall führen. Das erlaubt zustandsbasierte statt starrer Wartung: Du tauschst Teile nach echtem Zustand, reduzierst Vor-Ort-Einsätze und vermeidest ungeplante Stillstände. Die gleichen Daten sind zugleich die Basis für den Dispatch, du baust also nicht zwei getrennte Systeme.